Authentisch auftreten

Authentisch auftreten

Wer bei Vorträgen oder Präsentationen wirklich authentisch auftreten möchte, braucht mehr als gute Folien und auswendig gelernte Sätze. In deinem Kopf muss ein Dreamteam arbeiten: deine beiden Gehirnhälften – wie in einem Hybrid-Auto – plus deine emotionale Intelligenz als Navigationssystem.

1. Authentisch auftreten: Was das wirklich bedeutet

„Sei einfach du selbst.“ Klingt nett, hilft aber null, wenn dir vor 200 Leuten die Knie weich werden. Authentisch auftreten heißt nicht, dass du immer entspannt, souverän und witzig bist. Es heißt:

  1. du verstehst, was in dir passiert
  2. du nutzt Kopf und Bauch
  3. du bleibst innerlich bei dir – auch wenn außen viel los ist

Die linke Gehirnhälfte liebt Struktur: Argumente, Zahlen, Dramaturgie deiner Präsentation. Die rechte Gehirnhälfte kümmert sich um Bilder, Humor, Körpersprache, Geschichten. Wenn du nur eine Seite fütterst, wirkst du entweder:

  1. super korrekt, aber trocken wie ein Handbuch
  2. oder mega unterhaltsam, aber irgendwie inhaltlich dünn

Authentisch auftreten bedeutet, dass beides sichtbar wird: dein fachliches Können und deine Persönlichkeit.

Dazu kommt deine emotionale Intelligenz. Sie sorgt dafür, dass du:

  1. Stimmungen im Raum wahrnimmst
  2. deine eigenen Gefühle regulieren kannst (statt ihnen ausgeliefert zu sein)
  3. flexibel reagierst, wenn etwas Ungeplantes passiert

Kurz gesagt: Authentizität auf der Bühne ist kein Talent, sondern ein Zusammenspiel aus Verstand, Gefühl und Präsenz – und das lässt sich trainieren.

2. Wenn beide Gehirnhälften im Hybrid-Modus fahren

Stell dir vor, dein Gehirn ist ein Hybrid-Auto:

  1. Linke Gehirnhälfte = effizienter Verbrennungsmotor: Klarheit, Logik, Struktur
  2. Rechte Gehirnhälfte = leiser Elektromotor: Intuition, Bilder, Emotionen
  3. Emotionale Intelligenz = das clevere Bord-Navi: erkennt die Lage, wählt die passende „Antriebsart“

Wenn du authentisch auftreten willst, musst du lernen, zwischen diesen „Antrieben“ hin- und herzuschalten – und manchmal beide gleichzeitig laufen zu lassen.

So sieht das in einer Präsentation konkret aus

  1. Vorbereitung (linke Hälfte im Lead)
  2. Du strukturierst deinen Inhalt: Einstieg, Hauptteil, Schluss
  3. Du formulierst klare Kernbotschaften
  4. Du überlegst: Was soll beim Publikum hängenbleiben?
  5. Storytelling & Bilder (rechte Hälfte zieht nach)
  6. Du baust Beispiele, Metaphern und kleine Geschichten ein
  7. Du fragst dich: Wie fühlt sich das für mein Publikum an?
  8. Du spielst gedanklich mit Szenen, Bildern, kleinen Anekdoten
  9. Live auf der Bühne (Hybrid-Modus)
  10. Dein Verstand bleibt bei der Struktur: Du weißt, wo du bist
  11. Deine rechte Gehirnhälfte hilft dir, spontan zu reagieren: ein Lacher hier, eine Pause dort
  12. Deine emotionale Intelligenz checkt:
    1. Sind die Leute noch bei mir?
    2. Muss ich Tempo rausnehmen?
    3. Braucht es ein Beispiel statt noch einer Zahl?

So entsteht ein Auftritt, der zugleich klar, lebendig und menschlich wirkt. Du spielst keine Rolle, du bist einfach eine gut organisierte Version deiner selbst. Genau das macht „authentisch auftreten“ so wohltuend – für dich und dein Publikum.

3. Authentisch auftreten trainieren: 5 einfache Übungen

Authentizität ist kein Schalter, den du kurz vor der Präsentation umlegst. Es ist ein Muskel, den du Schritt für Schritt stärkst. Hier fünf Übungen, mit denen du dein „Hybrid-Gehirn“ und deine emotionale Intelligenz fit machst, um authentisch auftreten zu können:

1. Die Zwei-Spalten-Übung für dein Thema

Nimm ein Blatt Papier und zieh eine Linie in der Mitte:

  1. Links (linke Gehirnhälfte): Stichworte zu Zahlen, Daten, Fakten, Argumenten.
  2. Rechts (rechte Gehirnhälfte): Bilder, Metaphern, Geschichten, Beispiele aus deinem Alltag oder aus der Praxis.

Wenn du später präsentierst, achte darauf, aus beiden Spalten etwas einzubauen. So wird dein Auftritt automatisch runder und du kannst natürlicher authentisch auftreten.

2. „Emotionaler Wetterbericht“ vor jedem Auftritt

Bevor du auf die Bühne (oder in einen Meetingraum) gehst, mach eine 30-Sekunden-Innencheck:

  1. „Wie fühle ich mich gerade?“ (z. B. nervös, freudig, angespannt)
  2. „Wo spüre ich das im Körper?“ (Brust, Bauch, Kehle)
  3. „Was brauche ich jetzt?“ (tiefer Atemzug, ein Glas Wasser, ein Lächeln)

Statt deine Nervosität wegdrücken zu wollen, nimm sie bewusst wahr. Wer seine Gefühle bemerkt, statt sie zu bekämpfen, kann wesentlich authentischer auftreten – weil nichts „durch die Hintertür“ rausplatzt.

3. Mini-Story statt trockener Fakt

Nimm eine deiner wichtigsten Zahlen oder Aussagen und verwandle sie in eine Mini-Geschichte:

  1. Statt: „Wir haben unseren Umsatz um 15 % gesteigert.“
  2. lieber: „Vor einem Jahr standen wir an einem Punkt, an dem wir uns gefragt haben, ob unser Ansatz überhaupt funktioniert. Heute sehen wir: plus 15 %. Dahinter stehen echte Menschen, die …“

Das aktiviert deine rechte Gehirnhälfte und macht es dir leichter, lebendig und authentisch aufzutreten, statt nur Folien vorzulesen.

4. Video-Feedback (aber richtig benutzt)

Nimm dich bei einer kurzen Präsentation (3–5 Minuten) auf. Schau das Video in zwei Durchgängen:

  1. Technik-Check (linke Hälfte):
  2. Spreche ich verständlich?
  3. Ist die Struktur erkennbar?
  4. Habe ich klare Botschaften?
  5. Wirkungs-Check (rechte Hälfte & Emotionen):
  6. Wirke ich wie ich selbst – oder wie eine „Präsentations-Version“ von mir?
  7. Wo wirke ich lebendig, wo künstlich?
  8. Wann lache ich wirklich, wann nur „pflegeleicht“?

Notiere nur 2–3 Punkte, die du beim nächsten Mal anders machen willst. So überforderst du dich nicht und entwickelst nach und nach deinen eigenen Stil, um immer authentischer auftreten zu können.

5. Echtes Feedback statt Nettigkeiten

Bitte ein, zwei Menschen deines Vertrauens um ehrliches Feedback nach einem Vortrag oder einer Präsentation. Frag sie konkret:

  1. „An welcher Stelle war ich am meisten ich selbst?“
  2. „Wo hatte ich das Gefühl, dass ich mich verstelle oder zu sehr anstrenge?“
  3. „Was hat dich an meinem Auftritt am meisten berührt oder überzeugt?“

Oft sehen andere viel klarer, wann du wirklich authentisch auftrittst – und wann du versuchst, einer inneren Vorstellung von „so muss man präsentieren“ hinterherzulaufen.


Wenn du bei Vorträgen und Präsentationen authentisch auftreten möchtest, geht es weniger um perfekte Rhetorik und mehr um ein gutes Zusammenspiel deiner beiden Gehirnhälften und deiner emotionalen Intelligenz. Je besser du dieses Dreamteam trainierst, desto natürlicher, wirkungsvoller und entspannter wirst du auf jeder Bühne – ob im Meetingraum oder im großen Saal.