Jeder kann seine authentischen Superkräfte entfalten. In der Kindheit haben wir damit begonnen, authentisch zu beschreiben, was wir in unserem inneren Universum wahrnehmen, ohne es zu bewerten. Dann kam das Dilemma mit der Erziehung dazwischen und wir mussten leider eine Schaffenspause einlegen.
Wenn du möchtest, kannst du deine kreative Schaffenspause beenden und mit der Entwicklung deiner authentischen Superkräfte fortfahren. Aus meiner Sichtweise sind sie in deiner DNA bereits als Grundbedürfnis fest verankert.
Deine Superkraft heißt nicht „fehlerfrei“
Der innere Kritiker darf mit in den Raum
Du kennst ihn vielleicht: den inneren Kommentator, der kurz vor dem Vortrag raunt: „Hoffentlich zittert meine Stimme nicht.“ In der Perspektive der Interpersonellen Neurobiologie (IPNB) muss dieser Teil nicht weggedrückt werden. Hilfreicher ist, ihn wahrzunehmen, ohne ihm gleich das Mikrofon zu überlassen. Nervös sein und trotzdem sprechen können – das ist schon eine ziemlich praktische Superkraft.
Präsenz statt Präsentationsmaske
Authentisch zu wirken heißt nicht, jede spontane Regung ungefiltert mit dem Publikum zu teilen. Es heißt eher, sich selbst im Blick zu behalten: Was fühle ich gerade? Was möchte ich sagen? Und wie kommt das bei den Menschen vor mir an? Wer diese Fragen wahrnimmt, kann natürlicher reagieren – statt eine makellose Bühnenfigur zu spielen, die sich innerlich nach dem Notausgang umsieht.
Integration: mehrere Seiten, ein Auftritt
Kopf und Gefühl müssen kein Tauziehen veranstalten
IPNB beschreibt Integration als Verbindung unterschiedlicher Bereiche und Prozesse, ohne ihre Unterschiede einzuebnen. Aufs Präsentieren übertragen: Fakten und Gefühle dürfen gemeinsam auftreten. Deine sorgfältig recherchierten Zahlen können neben Begeisterung stehen; eine klare Struktur neben einer persönlichen Anekdote. Das ist keine simple Aufteilung in „linke Logik“ und „rechte Kreativität“, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Fähigkeiten.
Beide Hemisphären – nicht zwei kleine Bühnenchefs
Auch die beiden Gehirnhälften arbeiten nicht wie konkurrierende Abteilungsleitungen: Die eine mit Diagrammen, die andere mit Konfetti. Sie sind über Verbindungen miteinander vernetzt und tragen gemeinsam zu vielen Vorgängen bei. Als IPNB-Ansatz kann die Integration beider Hemisphären dafür stehen, analytisches Denken und ganzheitliche, emotionale Wahrnehmung zusammenzubringen – ohne daraus ein magisches Präsentationsrezept zu machen.
So wird aus Lampenfieber Kontakt
Erst landen, dann loslegen
Bevor du startest, nimm dir einen Moment: Spüre deine Füße am Boden, atme ruhig aus und schau dich im Raum um. Das ist kein Zaubertrick gegen Aufregung. Es kann dir aber helfen, im Hier und Jetzt anzukommen, statt gedanklich schon bei der einen Frage zu sein, die vielleicht kommt. Dann beginnst du nicht bloß deinen Vortrag – du begegnest deinem Publikum.
Eine echte Geschichte schlägt den perfekten Satz
Erkläre deinen Gedanken mit einem Beispiel, das wirklich zu dir passt. Vielleicht ist es eine Beobachtung aus dem Alltag oder ein Moment, in dem du selbst etwas gelernt hast. Eine persönliche Geschichte muss nicht dramatisch sein. Wenn sie ehrlich zum Thema gehört, verbindet sie Information mit Bedeutung – und macht es leichter, in deiner eigenen Stimme zu sprechen.
Üben, ohne dich zu verbiegen
Wiederholen ist gut. Roboter werden weniger
Übe deinen Einstieg und deine wichtigsten Übergänge, damit du dich auf der Bühne nicht an jeden einzelnen Satz klammern musst. Lass aber Luft für spontane Reaktionen: ein Lächeln, eine Rückfrage, eine kurze Pause. Eine gute Präsentation ist kein Tonband mit Schuhen. Sie darf sich an den Raum anpassen.
Deine Authentizität darf wachsen
Nach dem Vortrag frag dich nicht nur: „War alles perfekt?“ Frag auch: „Wann habe ich mich verbunden gefühlt? Was hat mir geholfen, klar und präsent zu sein?“ So lernst du aus jedem Auftritt, ohne dich selbst zum Projekt mit endloser Fehlerliste zu machen. Mit Übung können Kopf, Gefühl und Kontakt mehr zusammenspielen – und deine ganz eigene Art, vor Gruppen zu sprechen, wird sichtbarer.

